1951 geboren als Anneliese Jeurink.
Aufgewachsen im Vierhäuserdorf Arkel auf einem Bauernhof an der holländischen Grenze in der Grafschaft Bentheim.Im Elternhaus hängen Worpsweder Gemälde.Ein Onkel der Mutter, der Schriftsteller Karl Lilienthal,der die Kolonialisierung des Teufelsmoors dokumentierte,war mit dem Maler Heinrich Vogeler befreundet.
Nach dem Abitur in Nordhorn 1970-1972 Studium an der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste Hamburg, Lila Lerchenfeld.
Nach der Zwischenprüfung 1972-1973 Westafrikareise:Ghana, Togo, Dahomey, Cote d’Ivoire. Malen im Slum von Abidjan als Gefährtin des El Maestro Laba Sosseh, Superstar de Dakar.
1974 legen die schockierten Eltern ihr ein Pädagogikstudium in Osnabrück nahe. 1976ff Schuldienst an der holländischen Grenze und Mitglied im Künstlerbund Gildehauser Werkstatt.
Im Orwell-Jahr 1984 Heirat mit dem zeitgenössischen BuchKunstHändler Günther Rossipaul. Umzug nach Süddeutschland. 1985 Geburt Mira Xenia.
1986 Ölgemälde zu Tschernobyl.1987 Geburt Niels Christian.
Sie zieht ihre Chiffren aus Un-Fällen. Kinder aufzuziehen und zu malen,zwingt sie in eine exemplarische Auseinandersetzung mit dem Thema Spaltung. Gespalten in Malerin und Mutter, nennt sie sich 1990 MAMU.
Mit dem Ehemann, der sich ab 1991 als BuchKulterer und Bibliosoph outet, beteiligt sie sich regelmäßig an Ausstellungen in der Fluxus-kapelle in Wiesbaden Erbenheim. Während der LandesKunstWochen Reutlingen tritt sie mit rotem und schwarzem Schuh auf und hantiert metaphorisch mit gespaltenen existentiellen Objekten.
Die Abkehr von der bürgerlichen Ästhetik, die Neigung zu gesellschaftskritischen Themen, der unkonventionelle Umgang mit den bildnerischen Mitteln, der radikale Bruch mit akademischen Normen, provozieren heftige Reaktionen, Ablehnung und Zustimmung gleichermaßen.
1999 ist sie auf dem Titel des Reutlinger Künstler Lexikons (Reutlingen 1999,Thomas Leon Heck, Nous Verlag) mit dem Ölgemälde Ananas für Tschernobyl aus dem Jahr 1986. Die Illustrierte ab 40 , Heft 4/99, bringt auf acht Seiten Kunst von MAMU. 2001 entsteht der Katalog pro metapher zur Ausstellung in der Galerie Dorothea Schrade.
2002 vergeht sich ein Nagolder Notar schamlos am Erbe der Familie Rossipaul. MAMU bekommt eisige Härten zu spüren, die in ihre Kunst eingehen: Performance: Sein und Bewusstsein, Serie: Zwischen dem Brot von heute und dem Brot von morgen, Bilder-Installation: Im Namen des Volkes.
Das Schiff der Familie treibt richtungslos.
2011 endlich nimmt das Schiff Kurs auf Neuenhaus, das 4 km vor der holländischen Grenze liegt.
Es geht in den heimatlichen Hafen, in das Haus der Großeltern, in die Nähe der Geschwister und der Mutter der Malerin.
MAMU und Günther Rossipaul haben den schweren Anker ausgeworfen.
Das Atelier ist im Haus, nur die Flut der Bücher findet keinen Platz…
Sohn Niels Christian Rossipaul schloss 2019 das Studium der Film-, TV- und Medienproduktion an der BFI Wien mit dem Bachelor ab und arbeitet heute in Wien und Stockholm. 2023 absolvierte er im Projektmanagement die Masterprüfung. Tochter Mira Xenia Schwerda hatte ein Stipendium an der Harvard University. 2020 schloss sie an der Harvard University mit dem Doctor phil ab. Gegenwärtig lehrt sie Islamische Kunstgeschichte an der University of Edinburgh. 2023 erhielt sie die Getty ACLS postdoctoral fellowship für ihr Buch ›Between Art and Propaganda: Photographing Revolution in Modern Iran‹.
2023 war ein schweres Jahr für uns alle. Am 18. Juli verließ mein treuer Gefährte, mein capitano & professore Günther Ludwig Camillo Rossipaul diese Welt.
